Dienstag, 22. Mai 2018

21. Mai: Mond, ISS und ein doppelter Iridiumflare

Über die Pfingstfeiertage war ich zu meiner Tochter nach Eppelheim bei Heidelberg gereist. Auch dort konnte man gut astronomische Beobachtungen machen. Insbesondere am Abend des Pfingstmontags hatte ich ein wenig Zeit, in den Himmel zu schauen.

Hier ein Bild vom Mond, kurz vor dem Ersten Viertel:

Mond am 21.5.18 um 23 Uhr, gut 6 Stunden vor dem Ersten Viertel
Ein besonderes Highlight war ein doppelter Iridiumflare. Ich hatte in meinem Astroblog diesen Doppelflare für Bad Lippspringe angekündigt, dort sollte er um 0:10 und 0:11 Uhr stattfinden. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass die beiden Satelliten Iridium 12 und Iridium 50 auch über Eppelheim einen hellen Flare zeigen würden. Hier sollte das Ereignis 50 Sekunden früher stattfinden. Das wollte ich unbedingt fotografieren.

Zum "Einstellen" der Kameras ganz passend sollte kurz vor Mitternacht auch die ISS über den Nachthimmel fliegen. Ich hatte schon meine Kamera in Position gebracht, doch leider bewölkte es sich ab 23:30 Uhr zunehmend und es fing sogar an zu regnen.  So musste ich zunächst meine komplette Ausrüstung wieder abbauen. Trotzdem gelang mir ein Foto der ISS:

Die ISS zieht ihre helle Spur senkrecht von unten nach oben im unteren rechten Bilddrittel, etwas verdeckt durch den Strauch davor.
Zum Glück waren immer wieder Lücken am Himmel zu sehen - und gerade in Richtung Mond und Sternbild Löwe war der Himmel immer wieder frei. Zum Glück schütze mich draußen der Balkon der Wohnung über uns, so dass meine Ausrüstung und ich selbst nicht nass wurden. Es war schon irgendwie surreal. Wir hatten draußen mit 22° Grad noch sehr angenehme Temperaturen, so dass ich in kurzer Hose und T-Shirt beobachten konnte, gleichzeitig regnete es und trotzdem gelangen mir die nachfolgenden Fotos:

Iridium 12 am 22.5.18 um 0:09:20 Uhr MESZ

Iridium 50 am 22.5.18 um 0:10:50 Uhr MESZ

Beide Bilder entstanden mit einer Kleinbildkamera Leica D-LUX 5, wurden 30 Sekunden belichtet bei ISO100 und Blende f=2.7.

Auf dem unteren Bild ist an der Wolke, dicht beim Flare, auch Denebola, der "Schwanz" des Sternbilds Löwe gut zu erkennen. Die drei Sterne am linken Bildrand, dicht an den Büschen gehören zum Sternbild Jungfrau, oben leuchtet Vindemiatrix und unten Porimma.

Legt man die Bilder 1:1 übereinander, kann man erkennen, dass beide Iridiumflare fast an der gleichen Stelle des Himmels auftauchten, der Abstand ist wirklich nur minimal:

Doppelflare, Bilder 1:1 übereinander gelegt
 Wer genau hinschaut, kann jedoch erkennen, dass alle Sternspuren doppelt sind, oder zumindest auseinander gezogen aussehen. Dies ist aber kein Wunder, denn die Erde hat sich ja in der guten Minuten zwischen den beiden Aufnahmen weiter gedreht, die Sterne wandern im Laufe der Zeit dadurch weiter nach Westen, wo auch sie irgendwann - genau wie die Sonne am Abend - untergehen.

Legt man beide Bilder so übereinander, dass die Sterne deckungsgleich werden, man versucht also praktisch die Drehung der Erde auszugleichen, erkennt man, dass die Spuren der Satelliten doch nicht so deckungsgleich sind:

Doppelflare, Sterne übereinander gelegt.
Bei diesem Bild werden dann natürlich die Blätter nicht mehr deckungsgleich überlagert, es ist ja quasi so, als hätten wir die Kamera entsprechend der Erddrehung etwas weiter gedreht.

Samstag, 19. Mai 2018

21. - 27. Mai 2018: Der Himmel über Bad Lippspringe

In dieser Woche bestimmt der zunehmende Mond den Nachthimmel. Von den hellen Planeten ist Venus abends im Nordwesten strahlender Abendstern. Jupiter ist bald nach Sonnenuntergang im Südosten zu sehen, er bleibt nach Mond und Venus jedoch nur das dritthellste Objekt am Nachthimmel. Saturn geht kurz nach Mitternacht auf, Mars folgt gegen 2:00 Uhr im Südosten. Da die Sonne nur noch wenig unter den Horizont sinkt, sind in diesen Nächten auch viele Überflüge der ISS zu beobachten.

Am Pfingstmontag, den 21. Mai, geht die Sonne um 5:24 Uhr auf und um 21:20 Uhr unter, der helle Tag dauert jetzt - vier Wochen vor Sommeranfang - schon fast 16 Stunden. Da die Sonne heute nur noch 18,5° Grad unter den Horizont sinkt, wird es auch nachts nicht mehr wirklich richtig dunkel. Der Mond steht heute Abend in der Nähe von Regulus, dem hellsten Stern des Löwen, dem er sich im Laufe der Nacht immer weiter annähert. Die ISS ist am Pfingstmontag fünfmal zu sehen, um 0:48 Uhr (in maximal 75° Grad Höhe), um 2:24 Uhr (84° Grad Höhe), um 4:01 Uhr (34°) und am Abend um 22:20 Uhr (18°) und 23:56 Uhr (59°). Um 23:51 Uhr beginnt eine Bedeckung des Jupitermond Europa. Kurz nach Mitternacht, also bereits am 22.Mai, gibt es um 0:10 Uhr noch einen sehr hellen Iridiumflare von -8mag am "Schwanz" des Sternbilds Löwe, und nur eine Minute später (!) gibt es gleich noch einen zweiten -8mag hellen Flare an gleicher Stelle!

Am Dienstag, den 22. Mai, erreicht der Mond um 5:49 Uhr das Erste Viertel, dann ist er jedoch schon seit drei Stunden bei uns untergegangen. Bereits um 1:32 Uhr fliegt die ISS exakt über Bad Lippspringe hinweg, um 3:09 Uhr erreicht sie noch einmal 48° Grad Höhe. Abends um 23:04 Uhr gleichfalls 49° Grad. Heute beginnt auf dem Mars auf dessen Nordhalbkugel der Herbst.

Am Mittwoch, den 23. Mai,  fliegt die ISS um 0:40 Uhr fast exakt (88° Grad Höhe) über Bad Lippspringe hinweg, um 2:16 Uhr in 65° Grad Höhe, um 3:53 Uhr in 21° Grad und am Abend um 22:12 Uhr in 30° Grad und um 23:48 Uhr in 79° Grad Höhe.

Am Donnerstag, den 24. Mai, fliegt die ISS um 1:21 Uhr in 80° Grad Höhe und um 3:00 Uhr in 27° Grad Höhe über unseren Himmel, am Abend um 22:56 Uhr in 79° Grad Höhe. Bis 22:54 Uhr scheint Jupiter nur drei Monde zu haben, Ganymed wird durch Jupiters Schatten verfinstert.

Am Freitag, den 25. Mai,  fliegt die ISS um 0:32 Uhr ein weiteres Mal fast exakt (in 88° Höhe) über unsere Stadt hinweg, um 2:08Uhr erreicht sie noch eine Höhe von 37° Grad über dem Südhorizont. Am Abend um 23:40 Uhr fliegt sie sogar ganz genau durch unseren Zenit (90° Grad Höhe) über uns hinweg. Wenn es dunkel wird läuft Jupitermond Io gerade vor dem Planeten vorüber, dieser Durchgang wird um 23:29 Uhr beendet, bis 23:53 Uhr fällt noch Ios Schatten auf den Planeten. Der Mond zeigt maximale Libration in Länge, das Mare Crisium steht randfern.

Am Samstag, den 26. Mai, um 1:16 Uhr ist die ISS in dieser Nacht zu sehen (in 59° Grad Höhe), am Abend um 22:47 Uhr in 83° Grad Höhe. Um 23:50 Uhr gibt es im hinteren Teil des Sternbilds Löwe einen -7mag hellen Iridiumflare.

Am Sonntag, den 27. Mai, ist die ISS um 0:24 Uhr in 75° Grad Höhe zu sehen und um 1:58 Uhr in 16° Grad Höhe, am Abend um 23:32 Uhr dann noch einmal in 86° Grad Höhe. Am Abend stehen bei Jupiter alle Monde auf der gleichen Seite.

Samstag, 12. Mai 2018

14. - 20. Mai 2018: Der Himmel über Bad Lippspringe

In dieser Woche ist am Dienstag Neumond.gerade die ersten Nächte der Woche eignen sich noch zum Beobachten lichtschwacher Objekte am Sternenhimmel. Die ISS ist am Morgenhimmel gut zu beobachten. Von den großen Planeten ist die Venus am Abend im Nordwest bis gegen 23:30 Uhr zu beobachten. Jupiter steht praktisch die ganze Nacht am Himmel, erst in südöstlicher, dann südwestlicher Richtung, Saturn geht nach 0:30 Uhr im Südosten auf, Mars folgt gegen 2:15 Uhr.

Am Montag, den 14. Mai, geht die Sonne um 5:33 Uhr auf und um 21:10 Uhr unter. In Norddeutschland und Südskandinavien beginnen jetzt die "weißen Nächte". Auch bei uns ist es nur noch gut zwei Stunden (zwischen 0:15 Uhr und 2:30 Uhr) richtig "astronomisch" dunkel. Die ISS fliegt am Morgen zwischen 3:38 Uhr und 3:45 Uhr in maximal 71° Grad Höhe hoch über unseren Morgenhimmel hinweg.

Am Dienstag, den 15. Mai, erreicht der Mond exakt um 13:38 Uhr seine Neumondposition. Die ISS fliegt am Morgen um 4:21 Uhr im Westen aufsteigend, um 4:24 Uhr exakt über uns bis 4:29 Uhr im Osten verschwindet über uns hinweg. Um 23:11 Uhr gibt es im Sternbild Zwillinge, unterhalb von Castor und Pollux einen -6mag hellen Iridiumflare.

Am Mittwoch, den 16. Mai, fliegt die ISS am Morgen zwischen 3:30 Uhr und 3:36 Uhr noch einmal exakt über Bad Lippspringe hinweg. Am Abend geht die schmale, nur zu 3 Prozent beleuchtete Mondsichel um 22:20 Uhr unter.

Am Donnerstag, den 17. Mai, gibt es um 0:32 Uhr einen -5mag hellen Iridiumflare zwischen den Sternbildern Löwe und Jungfrau. Später am Morgen fliegt die ISS zwischen 2:39 Uhr und 2:45 Uhr in bis zu 82° Grad Höhe über unseren Himmel hinweg. Bei einem zweiten Überflug zwischen 4:12 Uhr und 4:20 Uhr erreicht sie immerhin noch 77° Grad Höhe und fliegt dicht an der Wega, dem hellsten Stern der Leier, vorbei. Am Abend steht der Mond unterhalb der Venus, er ist zu 8 Prozent beleuchtet und geht um 23:32 Uhr unter.

Am Freitag, den 18. Mai, gibt es um 0:26 Uhr fast an gleicher Stelle wie gestern sogar einen -8mag hellen Iridiumflare. Später fliegt die ISS zwischen 3:20 Uhr und 3:28 Uhr ein weiteres Mal (fast) genau über unsere Stadt hinweg. Abends geht der Mond erst nach Mitternacht (um 0:39 Uhr) unter.

Am Samstag, den 19. Mai, fliegt die ISS zwischen 2:29 Uhr und 2:38 Uhr noch einmal exakt über unsere Stadt hinweg. In gut 400 Kilometer Höhe wird sie selbst um diese Zeit noch hell von Sonne angestrahlt. Ein weiteres Mal fliegt sie zwischen 4:04 Uhr und 4:12 Uhr über unseren Himmel entlang knapp an Arkturus vorbei und über Atair hinweg. Am Abend gibt es um 22:19 Uhr zwischen dem Sternbild Zwillinge und der Venus einen mit -6mag recht hellen Iridiumflare.

Am Pfingstsonntag, den 20. Mai, fliegt die ISS zwischen 1:38 Uhr und 1:44 Uhr in 85° Grad Höhe wieder fast genau über unsere Stadt hinweg. Ein weiterer Überflug findet um 3:15 Uhr statt und am Abend kann sie zwischen 23:07 Uhr und 23:15 Uhr bei einem weiteren Überflug in nur maximal 25° Grad Höhe (oberhalb von Jupiter) erstmalig auch wieder vor Mitternacht gesehen werden.




Donnerstag, 10. Mai 2018

9. Mai 2018: Jupiter in Opposition

Man kann es gar nicht glauben, die Schönwetterkatastrophe hat auch heute angehalten. Seit dem 27. April konnte ich fast jedem Tag den nachthimmel beobachten. Nur an zwei Abenden war es ein wenig bewölkt. Und dazu passierte dann auch noch ein besonderes Highlight: Eine Nova im Sternbild Perseus. Ich habe darüber in meinem Blog berichtet. Natürlich habe ich auch die letzten Tage noch Fotos von der Nova gemacht, über das anstehende lange  Wochenende hoffe ich, aus all den Fotos eine richtige Lichtkurve  für das Verblassen der Nova hinzubekommen.

Dieser Blogeintrag soll aber Jupiter gewidmet sein. Heute steht Jupiter in "Opposition", das heißt, von der Erde aus gesehen, steht er der Sonne genau gegenüber. Das bedeutet, das er (analog zum Vollmond) bei Sonnenuntergang aufgeht und bei Sonnenuntergang untergeht. Und so ist es auch. Außerdem erscheint Jupiter zur Oppositionszeit besonders hell, und auch die Entfernung zu Erde ist die geringste, dadurch erscheint er auch relativ groß.

Hier zwei Fotos von heute Abend. Sie zeigen nicht nur Jupiter, sondern auch seine hellen "galileischen" Monde:

Jupiter am 9. Mai 2018 um 21:53 MESZ. Jupitermond Io steht dicht am Planeten.


Jupiter um 23:27 Uhr. Jupitermond Io ist icht mehr zu sehen, er steht genau vor dem Planeten.
Mond Io zieht heute Nacht genau vor dem Planeten entlang und verursaacht so auf der Jupiteroberfläche eine kleine Sonnenfnsternis. Mit eine größeren Fernrohr könnte man den Schatten Ios auf der Jupiteroberfläche erkennen.

Sonntag, 6. Mai 2018

7. - 13. Mai: Der Himmel über Bad Lippspringe

Die Tage werden immer länger, die Nächte immer kürzer. Trotzdem gibt es auch in dieser Woche einige interessante Ereignisse am Himmel über uns. Die ISS ist bei morgendlichen Überflügen zu sehen. Der Mond nimmt ab und zieht sich immer mehr vom Nachthimmel zurück. Von den hellen Planeten ist die Venus strahlender Abendstern, sie geht gegen 23:30 Uhr im Nordwesten unter. Jupiter steht am 9. Mai in Opposition und ist praktisch die ganze Nacht über zu sehen. Satrun geht gegen 1:00 uhr im Südosten auf, Mars folgt ca. 2:30 Uhr.

Am Montag, den 7. Mai, geht die Sonne um 5:45 Uhr auf und um 20:59 Uhr unter. So richtig "astronomisch" dunkel wird es nur noch weniger als drei Stunden ab Mitternacht. Der Mond geht am Morgen um 2:39 Uhr auf. Die ISS überfliegt zwischen 4:55 Uhr und 5:02 Uhrin maximal 32° Grad Höhe, aber deutlich oberhalb von Saturn, Mars und Mond unseren Morgenhimmel. Um 22:36 Uhr gibt es im Westen (Azimut 260° Grad) in 32° Grad Höhe einen mit -9mag extrem hellen Iridiumflare.

Am Dienstag, den 8. Mai, geht der Mond um 3:08 Uhr auf, um 4:09 Uhr erreicht er exakt das Letzte Viertel.Zur gleichen Zeit, zwischen  3:31 Uhr und 4:03 Uhr wird iota Cap, ein 4.25mag heller Stern, am oberen Mondrand bedeckt. Zwischen 4:05 Uhr und 4:10 Uhr fliegt die ISS wieder über unseren Südosthimmel.

Am Mittwoch, den 9. Mai, steht Jupiter in Opposition, er geht bei Sonnenuntergang im Südosten auf und zu Sonnenaufgang im Südwest geht er unter. Am frühen Morgen zwischen 2:08 Uhr und 4:15 Uhr zieht Jupitermond Io hinter dem Planeten vorbei und wird in dieser Zeit von Jupiters Schatten verfinstert. Am Abend ab 23:26 Uhr zieht Io direkt vor der Planetenscheibe vorüber. Die ISS fliegt zwischen 4:47 Uhr und 4:54 Uhr in maximal 51° Grad Höhe über unseren Himmel hinweg.

Am Donnerstag, den 10. Mai, zeigt der Mond maximale Libration in Länge, der Krater Grimaldi steht fernab vom Rand. Die ISS fliegt zwischen 3:56 Uhr und 4:02 Uhr über unseren südöstlichen Himmel in maximal 37° Grad Höhe. Am Abend fehlt bis 22:43 Jupitermond Io, da er wieder verfinstert wird.

Am Freitag, den 11. Mai, kommt beim Mond zur maximalen Libration in Länge auch eine in der Breite hinzu, wir können günstig auf den Nordpol des Mondes schauen. Die ISS fliegt heute in maximal 71° Grad Höhe über den Himmel, um 4:41 Uhr fliegt sie genau durch das Sternbild Leier.  Sie taucht etwa drei MInuten vorher im Westen auf und verschwindet vier Minuten später im Osten.

Am Samstag, den 12. Mai, ist die ISS am Morgen zwischen 3:47 Uhr und 3:53 Uhr in maximal 57° Grad Höhe zu sehen. Am Abend stehen bei Jupiter alle Monde auf der gleichen linken, östlichen Seite.

Am Sonntag, den 13. Mai, fliegt die ISS zwischen 4:29 Uhr aus dem Westen aufsteigend und 4:38 Uhr im Osten untergehend praktisch genau über Bad Lippspringe hinweg.

Donnerstag, 3. Mai 2018

7. Mai: Der Dopplereffekt in der Astronomie

Am Montag, den 7. Mai, gibt es um 20 Uhr (! Achtung! Neue Anfangszeit!) wieder einen Vortrag in der Sternwarte. Der Titel lautet:


Der Dopplereffekt in der Astronomie


In der Ankündigung auf der Webseite der Sternwarte heisst es dazu:

Ein Feuerwehrauto fährt vorbei, der Ton des Martinhorns ändert sich - den Dopplereffekt kennt jedes Kind. Benannt ist er nach dem österreichischen Physiker Christian Doppler, der bereits 1842 ein optisches Pendant dieses akustischen Phänomens postulierte und darin ein potentiell wichtiges Messverfahren in der Astronomie sah. Denn auch wenn von „Fixsternen“ die Rede ist: Nichts im Universum ist statisch, alles ist in Bewegung. Einsteins Spezielle Relativitätstheorie lieferte schließlich eine Erklärung für den optischen oder relativistischen Dopplereffekt.

Der Referent erklärt in diesem Vortrag anschaulich, was es mit der „Rot- und Blauverschiebung“ des Lichts astronomischer Objekte auf sich hat und warum die Wissenschaft daraus wichtige Schlüsse über den Aufbau unseres Universums ziehen kann. Beobachtungen per Spektralanalyse zeigten nämlich schnell, dass Objekte im All sich oft mit unvermuteten Geschwindigkeiten bewegen. Als Ursache werden die Dunkle Materie sowie die Dunkle Energie vermutet, die zusammen mehr als 95 Prozent der Gesamtdichte von Materie und Energie im All ausmachen, jedoch bislang nicht direkt nachgewiesen werden konnten.


Eintritt 4 Euro zur Unterstützung der Arbeit der Sternwarte. Vorher besteht bei klarem Himmel wahrscheinlich die Möglichkeit zur Sonnenbeobachtung durch unser Teleskop.

Montag, 30. April 2018

29. / 30. April / 1./3. Mai 2018: Abenteuer Astronomie - ein Stern wächst über sich hinaus

Es gibt seit einiger Zeit eine sehr schöne Astronomie-Zeitschrift auf dem deutschsprachigem Markt: "Abenteuer Astronomie" heißt sie. Meines Erachtens für alle ambitionierten Hobbyastronomen sehr empfehlenswert. Doch von dieser Zeitschrift soll in diesem Artikel nicht die Rede sein, sondern von meinem eigenen Beobachtungsabenteuer an diesem Sonntagabend.

Der Himmel war bei uns am späten Nachmittag ziemlich bedeckt, so dass ich den Abend hinter dem Computer verbrachte, da postete Daniel Fischer bei facebook in der Gruppe "Astronomie als Hobby" folgende Nachricht: "Dringender Beobachtungsaufruf - da könnte gerade was sehr Ungewöhnliches im Perseus abgehen, mit 6 mag. ziemlich hell aber leider nicht besonders hoch im Norden." Und angehängt war die folgende Meldung aus den facebook-Seiten von "Astronomie aktuell":

Alarm im Perseus! Da ist gerade ein 'neuer Stern' mit ~6,2 mag. aufgetaucht - bei dem es sich um einen Nova-artigen Ausbruch der Zwergnova V392 Per handeln könnte (die sonst zwischen 14 und 17 mag. schwankt). Oder es ist eine normale Nova-Explosion ganz in der Nähe. Oder noch was anderes - die Informationen sind bisher sehr spärlich: http://www.cbat.eps.harvard.edu/…/fo…/J04432130+4721280.html und https://www.aavso.org/tcp-j044321304721280-v392-nova-erupti… und https://www.cloudynights.com/…/616375-potential-nova-per-2…/ und http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=224648 sowie https://www.aavso.org/v392 zum Treiben von V392 Per in den letzten Monaten, als sich was angebahnt haben *könnte*.

Diese Nachricht machte mich neugierig. Ein neuer Stern mit 6.2mag Helligkeit? Sterne dieser Helligkeit kann man mit bloßem Auge sehen. Allerdings nur unter besten Voraussetzungen an einem wirklich dunklem Himmel ohne helles Mondlicht. Und heute Abend war Vollmond!

Ich ging erstmal gleich den angegebenen Links nach. Etliche waren auf englisch und sie gaben wirklich nicht viel her. Dieser veränderliche Stern V392 Perseus war normalerweise vielleicht bei seinen Helligkeitsausbrüchen 14mag hell, also bestenfalls für größere Fernrohre zu erreichen. Und auch im Link zum "astrotreff" las ich nur einen Beobachtungsaufruf des renommierten Astrophysikers Erik Wischnewski, Autor mehrerer sehr interessanter Astronomiebücher, aber noch keine weiteren Informationen, gewschweige denn sogar Bilder.

Doch jetzt hatte mich meine Neugier gepackt. "Wie cool ist das denn?" ging es mir durch den Kopf. Da soll ein veränderlicher Stern plötzlich so hell werden, dass man ihn (theoretisch) mit bloßem Auge sehen könnte? Ein Helligkeitsanstieg von 14mag auf 6mag, also um acht Größenklassen, bedeutet einen Anstieg um das etwa 1500fache! Bei einem Helligkeitsanstieg von neun Größenklassen sprechen Astronomen von einer Nova, eine Supernova wäre noch stärker. Eine Supernova hatte ich schon mit Fernrohr beobachten können, aber die war weit entfernt in einer anderen Galaxie (M82 im Februar 2014). Dieser Stern hier käme aber aus unserer "Nachbarschaft".

Ein Blick aus dem Dachfenster nach Norden zeigte mir kurz nach 22 Uhr über den Nachbarhäusern strahlte noch die Venus, sie sollte kurz nach 23 Uhr untergehen. Und meines Erachtens noch recht hoch über der Venus war ein weiterer heller Stern zu sehen, das konnte nur Capella, der hellste Stern im Fuhrmann sein. "Verdammt noch mal", ging es mir durch den Kopf, "da müsste doch mehr zu sehen sein!"

Schnell habe ich meine Kamera gepackt, auf ein Stativ geschnallt und draußen im Garten Richtung Nordwesten gepeilt. Die Venus war hier hinter den nachbarhäusern schon nicht mehr zu sehen. Neben Capella waren aber auch die hellsten Sterne des Perseus mit bloßem Auge zu erkennen. Der Mond  schien zum Glück auf der anderen Seite des Hause, im Südosten. Nur ein paar Schleierwolken trübten etwas den Blick.

Ich schoss gleich mal ca. 20 verschiedene Fotos mit unterschiedlichsten Belichtungseinstellungen. Ich wollte ein Optimum aus "tiefer" Belichtung haben und trotzdem kurzer Aufnahmezeit. Bei zu längerer Belichtungszeit mit zu hoher Empfindlichkeit gepaart war der Himmel viel zu hell und alles war praktisch überbelichtet, bei zu kurzer Zeit merkte ich schon auf dem Kameradisplay, da wären nur Schleierwolken und die allerhellsten Sterne wie etwa Capella zu sehen.

Hier vielleicht mein bestes Einzelbild:

Capella (oben links) und das Sternbild Perseus am 29. April gegen 22:45 Uhr im Nordwesten (Kamera Canon 5D Mark II, 50mm Objektiv f1.8, abgeblendet auf 2.8, 2 sec belichtet, ISO 1600)

Aber wo war jetzt dieser ominöse Stern? Schon ein erster Blick zeigte mir, die Kamera hat sicherlich alle mit bloßem Auge sichtbaren Sterne eingefangen.

Jetzt galt es also schnell mal das Bild mit einem Sternenatlas zu vergleichen. Auf meinem Computer nutze ich dafür das Planetariumsprogramm Stellarium. Hier sollte die Position von V392 Per doch zu finden sein. Dann schnell Photo und Karte vergleichen - und dann wüsste ich, was Sache ist.

Zunächst suchte ich in Stellarium ganz simpel nach V392 Per: Keine Antwort! Mir war auch schnell klar, warum das nicht funktionieren könnte. Normalerweise ist dieser Stern ja nur 14 bis 17mag hell. hatte ich überhaupt die Kataloge solch schwacher Sterne in mein Programm geladen? Stellarium zeigt nämlich nach einem einfach Download des Programms nur die helleren Sterne, schwächere kann man - abgestuft nach Helligkeiten - Schritt für Schritt nachladen. Stattdessen gab ich jetzt die genauen Koordinaten von V392 Per ein: 04 43 21.30 +47 21 28.0.

Da zeigte das Programm erwartungsgemäß natürlich keinen Stern, aber es war doch ein auffälliges "Viereck" zu sehen, das müsste doch auch auf meinem Photo zu erkennen sein. Hier das Bild aus Stellarium:

Hier in der Nähe sollte V392 Per sein.

Und ja, dieses Viereck fand ich tatsächlich auf meinem Photo. Aber !? Wo war denn nun das Objekt meiner Begierde tatsächlich zu finden?  Ich verglich immer wieder mein Photo mit der Sternkarte und suchte - inzwischen etwas frustriert - nach einem fünften Stern, der sich etwas unterhalb dieses Vierecks befinden sollte. Aber da war nichts auf dem Bild zu erkennen.

Ich schaute wieder in das Forum beim astrotreff. Dort hatte inzwischen Ronny gepostet: "ich habe den Stern gerade im 20x60-Fernglas gesehen. Wegen den Schleierwolken ist eine Schätzung schwierig, die 6,2 mag kommen etwa hin." 

Wie konnte das sein? Wenn ich den doch gar nicht finde? Was mache ich falsch? Schließlich entschied ich mich, mein Bild einfach mal selbst zu posten:


Erste Suche nach V392 Per
Dazu schrieb ich: "Ich kann das leider nicht bestätigen. Ich bin Anfänger, aber auf diesem Bild sollte V Per sich doch etwa in dem Kreis befinden. Auf dem Foto sind Sterne bis 8mag und dunkler drauf, da sollten 6.2 mag doch kein Problem sein. Oder habe ich an einer falschen Stelle gesucht?"

Ja, und dann dauerte es zum Glück nicht lange, dass ich von Dominik Elsässer eine Antwort bekam:  "...ich habe grad mal auf die Schnelle geschaut: Das Objekt das Du mit "7.9" beschriftet hast ist doch offensichtlich deutlich heller als der 7.25mag Stern oberhalb davon. Und es passt zur Position des fraglichen "neuen" Sterns. Deine Aufnahme _könnte_ (könnte!) also in Wahrheit eine Bestätigung sein. Von wann ist sie denn, und was wurde verwendet?"

Und auch Ronny antwortete gleich:  "V392 Per ist der Stern, den du mit 7,9 beschriftet hast."

Hey, man war das spannend! Sollte ich doch - zumindest als erster in diesem Forum - ein richtiges Foto von V392 Per geschafft haben?

Ich schaute mir mein Bild noch einmal genauer an. Und - naklar - jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Der Punkt, den ich mit 7.9 beschriftet hatte, war wirklich viel heller als andere Sterne, nur etwas schwächer als der Stern HIP 21823, der in Stellarium mit 5.6mag angegeben und etwas schwächer als der andere "Eckstern" dieses Vierecks mit 6.75mag. Statt des "7.9" Sterns war der von mir mit "? (10.4?" markierte Stern die "vierte Ecke", laut Stellarium 7.9mag hell, was ja auch in etwa mit der Helligkeit meines Photos übereinstimmt, wenn man diesen mit den beiden mit 8.3 und 8.7 mag bezeichneten Sternen vergleicht. Und jetzt stimmte es auch wirklich mit der Sternkarte überein: die Position meines hellen Stern lag tatsächlich etwas unterhalb des "Vierecks"!

Und so postete ich dann gleich mal auf facebook eine "richtige" Version meines Photos:

Jetzt wurde V392 Per richtig identifiziert

Daniel Fischer antwortete sogleich "Klasse!" und Patrick Schmeer gab den guten Hinweis: "Super, Wolfgang! "V Per" --> "V392 Per" (könnte mit V Persei = Nova Per 1887 verwechselt werden)."

Und im astrotreff Forum schrieb Dominik Elsässer: "Danke für die Daten. Sehr spannende Sache, immerhin wissen wir nun, dass es ein echtes Ereignis ist und kein Fehler bei der CBAT - Meldung."

Diesen Dank kann ich nur zurück geben! Astronomie ist schon ein tolles Hobby! Da kann man tolle Abenteuer erleben, man entdeckt einen "neuen Stern" und sieht (wie es im Sprichwort heißt: "den Wald vor lauter Bäumen nicht") den Stern vor lauter Sternen nicht, doch dank der Hilfe und den klugen Auge der anderen wird doch noch eine ganz tolle Sache daraus. Im Team macht unser Hobby noch einmal so viel Spaß! Danke!

Ich ging dann erstmal ins Bett, inzwischen war es schon Mitternacht vorbei und um 5:45 Uhr sollte wieder der Wecker klingeln...

Am Montag morgen habe ich mich dann gleich mal auf die Suche gemacht, ob ich nicht zufällig früher schon mal ein Photo dieser Gegend gemacht habe. Am 6. Februar 2015 habe ich tatsächlich den gleichen Himmelsausschnitt fotografiert. Im ersten Moment wirken die Bilder sehr verschieden, damals habe ich die Gegend zehn Sekunden lang belichtet, es schien auch kein Mond und es waren keine Schleierwolken am Himmel. Dadurch sind natürlich viel mehr Sterne zu sehen, und sie zeichnen längere Strichspuren. Aber man erkennt doch das "Viereck" wieder und kann erkennen, der ganz helle Stern vom 29. April 2018 fehlt auf dieser Aufnahme:

Vergleich zwischen 2015 und 2018


Mal sehen, ob diese Geschichte noch weiter geht und was sich noch über diesen Stern V392 Per erfahren lässt...

********************* Nachtrag vom 30. April 2018 ********************

Auch heute Abend konnte ich wieder V392 Per fotografieren, der Stern scheint mir heute etwas schwächer zu sein als gestern:

V392 Per am 30. April 2018, 22:46 MESZ, Canon 5D Mark 2, 50mm Objektiv 1.8 auf 2.8 abgeblendet, 2 sec, ISO 1600
Im "astrotreff" gibt es inzwischen ein paar weitere Fotos, Photometrieergebnisse, Verweise auf Spektren des Sterns und mehr.

******************************** Nachtrag vom 1. Mai 2018 ************************

Auch heute Abend, am 1. Mai, war es wieder klar. V392 Per ist jedoch noch lichtschwächer geworden als gestern:

V392 Per am 1. Mai
Hier noch ein weiteres Bild, diesmal 10 Sekunden belichtet. Dann zeichnen die Sterne zwar schon Spuren, aber dafür kommen auch die Farben eher zur Geltung. Deutlich erkennt man die rötliche Farbe von V392 Per, typisch für Nova-Sterne.

V392 Per zeigt auf längeren Belichtungen eine rötliche Farbe.

*********************************** Nachtrag 3. Mai 2018 ***********************

Gestern, am 2. Mai war der Himmel bewölkt, heute war es wieder klar. V392 Per ist fotografisch immer noch zu sehen, sinkt jedoch weiter in der Helligkeit ab. Ich schätze heute liegt die helligkeit nur noch bei ca. 8mag. Dafür geriet mir jedoch eine Sternschnuppe (?) mit aufs Bild:

V392 Per am 3. Mai, zusammen mit einer kleinen Sternschnuppe.